140 Kilometer auf der Donau von Ottensheim nach Stein
Um 03.15 MESZ, noch bei ziemlicher Dunkelheit, da das fahle Licht des Neumonds kaum seinen Weg durch die verhangenen Wolkendecken fand, trafen sich fünf Ruderer des WSV Ottensheim zu einem Stelldichein. Im Bootshaus lag unser 5er, der bereits am Vortag aufbereitet wurde, abholbereit und wurde mit dem Wagen in die schwarze Stille gen Donau geschoben. Das Boot legte kurz darauf im Noch-Dunkel der Nacht ab.
Nach einem Kilometer, bei 143,8, wurde der obligatorische Ausruf "Einen haben wir schon!" (copyright Bernie Huber) getätigt. Bereits nach einer knappen halben Stunde wurden die Lichter von Linz erreicht und die Reflexionen der Schwerindustrie und die allmählich aufkeimende Sonne wiesen uns den Weg. Beim ersten Überheben in Asten war es schon etwas heller, sodass der Übersetzwagen auch gleich im Laufschritt erkundet werden konnte. Zwei Fischer standen kurz schlaftrunken mit ihrem Geländewagen im Weg bzw. im Wasser, die jedoch auch bewältigt werden konnten. Flott ging es weiter nach Wallsee.
Das Kraftwerk Ybbs musste geschleust werden mit dem Erkenntnis, dass Schwimmwesten Pflicht sind, aber nicht jeder in jede Schwimmweste hineinpasst, und weiters, dass Michelin-Männchen kaum in die Auslage kommen und dafür deren Endzug umso kürzer ist. Nach dem Kraftwerk wurde kurz das Ufer für menschliche Bedürfnisse und Kurzregeneration angelaufen. Im Anschluss durften wir auf dem herrlichen und ebenso langen Pöchlarner Stausee - vorbei an Maria Taferl und den Lagerhaustürmen - rudern und eine erste Brise, leider in unsere Gegenrichtung ließ bei so manchem eine heisere Vorahnung aufkommen.
Der Blick auf die Uhr wurde eher ignoriert, die Kilometerzeiten wurden in Windeseile zwar stabil, aber langsamer. Melk wurde nicht geschleust, sondern zwei Mal überhoben, was einem weißen Ausflugsdampfer die Möglichkeit gab, uns beim Schleusen zu überholen. Schleusen wäre in diesem Fall schneller gewesen. Nach Melk wurde der Wind immer bissiger und steigerte sich zusehends. Zudem behielt er seine Richtung immer stromwärts – leider stromaufwärts. In der Wachau zeigte die Donauschifffahrt, begleitet von zahlreichen Motorbooten, eine Leistungsschau, wobei kaum an Kosten, Mühen und Materialeinsatz gespart wurde. Für uns hieß das eine volle Stunde aufgrund von Blattlegens, Seitenwechselns und Wellenausgleichens zu verlieren.
Als dann die Flotten von Wurm & Köck, Brandner, Frachtschiffreedereien und ausländischen Kreuzfahrtorganisationen uns für kurz einmal aus ihrem Gesichtsfeld verloren, legten wir in der Wachau 8 Kilometer in unter 24 Minuten zurück und das bei relativ starkem Gegenwind. Kurz vor Krems, wir waren gerade in Schwung, begrüßten uns jedoch wieder ein paar lustige Schiffe mit ihren Wellen. In Stein angekommen hatten wir um 14.15 unser Ziel erreicht, 140 Kilometer und ein bisschen mehr an einem Tag zu rudern.
In Stein wurde dann gegessen und entspannt, und so mancher war ganz von der Schönheit der Stadt Krems gefangen, so wie auch so mancher Einwohner Steins.
Mannschaft: Wolfgang Wagner (Stm.), Bernhard Huber, Anthony Thoresson, Mag. Wolfgang Wagner, Gerhard Hemmelmair (siehe Bild)
Bericht von Wolfgang Wagner