Die Geschichte des Rudersports

Die Antike

Altägyptisches Ruderbild um 1500 v.Chr.
(Quelle: rudern-in-stuttgart.de)

Die älteste Art menschlicher Fortbewegung auf dem Wasser ist das Paddeln. Baumstämme wurden ausgehöhlt und immer längere und größere Boote daraus hergestellt. Um die Effektivität zu vergrößern, kam es zu einer Umkehrung der Bewegungsrichtung von frontal zu dorsal, um damit die stärksten menschlichen Muskelgruppen einsetzen zu können.

Die Verbindung von Mensch und Wasser trat besonders stark in den frühen Hochkulturen Ägyptens durch deren starker Beziehung zum Nil, “der Mutter und Nährerin der Wesen”, auf. Selbst nach dem Tode eines Menschen hatten Boote und Nil eine wesentliche Bedeutung: den Toten wurden Boote ins Grab gelegt, um auf dem “Jenseitsnil” fahren zu können. Im alten Ägypten war die Fortbewegung auf dem Wasser, mit Hilfe eines Bootes und eines Ruders, in erster Linie eine Lebensnotwendigkeit, erdacht und erfunden für Handel und Nahrungserwerb. Neben dem Transport von Handelsgütern, der von berufsmäßig tätigen Ruderern ausgeübt wurde, gab es aber auch das sportliche Vergnügen an der Ruderbewegung und Bootsbeherrschung, welches ausschließlich der Freizeitbeschäftigung diente. Schließlich war Rudern auch Teil einer kultischen Handlung, so zum Beispiel die Bootsfahrten zu den großen Tempeln und Pyramiden.

Doch nicht nur aus Ägypten gibt es Hinweise auf ein Rudern in der Antike. Es hatte sich bereits bei den frühen Hochkulturen über den gesamten Mittelmeerraum verbreitet.

Fast alle Stämme des alten Griechenlands betrieben Rudern, das einen festen Platz in ihren Mythen besaß, zu verschiedensten Zwecken: zum Beispiel als Mittel zum Raub (Seeräuber), zur Kriegsführung (Ruderboote waren durch ihre überlegene Geschwindigkeit und Wendigkeit der Hauptbestandteil der Kriegsflotten), aus kultischen Gründen (Ruderrennen bei Totenfeiern), zu kultisch-sportlichen Zwecken.

Römische Ruderdarstellung
(Quelle: wsv-muelheim.de)

Die Römer waren durch die Konfrontation mit Karthago zur Seekriegsführung gezwungen worden und begannen dabei das Rudern systematisch zu betreiben. Die Entwicklung der Boote ging ins Gigantische. Nach anfänglicher Steigerung auf 8- bis 12- ruderige Schiffe kam es zu Schlachtschiffen mit 15-16 Ruderern pro Platzreihe. Um die Schaulust der Massen zu befriedigen, veranstalteten die Römer in großen und mit Wasser gefüllten Amphitheatern fingierte Seeschlachten und nautische Wettkämpfe. So trat ein neuer Aspekt des Ruderns hinzu: die Sensation, das Spektakel.

Auch außerhalb des kulturell hochentwickelten Mittelmeerraumes sind vor allem im Norden Europas, in Norwegen, Schweden und Dänemark, Felszeichnungen von Booten und Bootsfunde aus der Antike bekannt. Die Bootsdarstellungen sehen alle ähnlich aus und erinnern an die alten Bootszeichnungen aus Ägypten und der Ägäis.

Galeerenrudern
(Quelle: rvneptun.de)

Nachdem die Araber zur führenden Seemacht im Mittelmeer aufgestiegen waren, entwickelten sie die “Dromene”. Das waren kleine, wendige und schnelle Schiffe mit zwei Ruderreihen übereinander, wobei jeder Riemen mit zwei bis drei Mann besetzt war. Mit der damit verbundenen Einführung der Rudersklaverei sah man das Rudern als unwürdige und schwere Arbeit an, die niemand mehr verrichten wollte. Als dann schließlich unter Karl VII. von Frankreich das Rudern als Galeerenstrafe eingeführt wurde, war Galeerenrudern die meistgehasste Tätigkeit dieser Zeit.

Das Mittelalter und die frühe Neuzeit

Venedig im 14 Jhdt.
(Quelle: rudern-in-stuttgart.de)

Die besten Quellen über das Rudern im Mittelalter und der frühen Neuzeit gibt es für den Stadtstaat Venedig. Naturgemäß hatten hier immer schon Verkehrsmittel Priorität, die es der Bevölkerung ermöglichten, sich auf dem Wasser fortzubewegen. Eine noch heute bekannte sportliche Form des Ruderns ist die jährlich ausgetragene Wettfahrt der ,,Gondolieri”. Diese standen in ihren schmalen Booten am Heck und drückten – wie heute noch üblich – den Innenhebel des Ruders ruckartig nach innen und damit das Boot vorwärts. Die ,,Festa Nationale delle Regate” wurde im 14. Jahrhundert staatlich verordnet und diente hauptsächlich der Staatserhaltung: es galt die notwendige Seetüchtigkeit der Jugend zu prüfen. Der Dienst auf den Ruderbänken war ein Ehrendienst, da Venedig seine Macht der Flotte verdankte.

Die Entwicklung des Rennruderns

Das sportliche Rudern hat seinen Ursprung in England. Hier setzte um 1800 eine zweckfreie rudersportliche Entwicklung ein.

“To my mind, the boat is man’s greatest triumph over nature. With it, taking his life in his hands in a splendid gamble, he forced his way into every corner of the globe…Without the boat, there would be no history of Britain . Everything that came to Britain had to cross that stripp of water, which still separates us from the land mass of the great continents. You could not walk round it. Nor could you walk into America from Asia . Therefore I believe the boat to have been the most important invention that man has ever made. You can eat food raw, you can walk thousands of miles without a cart, but you can not populate the globe without a boat. The whole story of man is one of struggle to free himself from the tyranny of his environement. In this struggle the boat had played a dramatic role.” (T.C. Lethbridge)

Amateurrudern in England
(Quelle: rudern-in-stuttgart.de)

Vielleicht tatsächlich bedingt durch seine geographische Lage, wird England als das Mutterland des heute in der ganzen Welt üblichen sportlichen Ruderns angesehen. Schon im Jahre 1715 fand in England das erste Wettrudern statt. Dieses wurde zwischen den Berufsschiffern und Fährleuten, den “watermen”, im Einer ausgetragen. Unter “waterman” verstand man die Fährmänner dieser Zeit an der Themse, von denen es um die 10 000 gegeben haben soll. Mit dem Niedergang des Waterman-Handwerks durch die Urbanisierung konnte der Gewinn des Preisgeldes eines solchen Rennens, zumindest für einige wenige, zur Überlebensmöglichkeit werden.

“It was astonishing, to see what crowds of people assemble themselves upon the banks of the Thames as spectators, and the river itself is nearly covered with wherries, pleasure boats, and barges, decorated with flags and streamers and sometimes accompanied by bands.” (Halladay)

Im Jahre 1831 fand im Rahmen einer dieser Regatten die erste Weltmeisterschaft der Berufsruderer im Einer statt. In dieser Zeit entstanden aus den Watermen die Professionals, die sich immer weiter spezialisierten. Die Amateure, deren Abgrenzung seit jeher nicht ganz einfach ist, spalteten sich immer mehr von den Watermen ab.

Diese Entwicklung zum modernen Sport wird erst vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden sozialen Wandels im viktorianischen England des 19. Jahrhunderts verständlich. In dieser Zeit der Industrialisierung verstärkte sich der Wettbewerb, und das Leistungsprinzip dominierte alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Es kam zum Abbau des sozialen Gefälles, die Freizeit wuchs und das Interesse an sportlicher Betätigung nahm zu. In Schulen und auf Universitäten wird der vom Leistungsgedanken getragene Gentleman-Sport entwickelt, der sich schnell im ganzen Land verbreitete. 1811 wurde in Eton das erste Achterrennen gefahren. Seit 1829 gibt es das berühmte Oxford-Cambridge-Achterrennen, ein sich jährlich wiederholendes sportliches und gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges.

Undatierte Ruderzeichnung
(Quelle: rvneptun.de)

Im 19. Jahrhundert wurden in England eine Reihe wichtiger Erfindungen gemacht, die sich revolutionär auf den Bootsbau und die Rudertechnik auswirkten. 1828 erschien erstmals ein Boot mit Auslegern bei einem Rennen. Diese waren noch aus Holz, doch schon 1830 wurden sie von eisernen Auslegern abgelöst. Sehr schnell war klar, daß diese Boote den bis zu dieser Zeit gebräuchlichen weit überlegen waren. Der Ausleger muss als die wichtigste Erfindung im Rudersport bezeichnet werden. Die Boote wurden schmäler, leichter und dadurch wesentlich schneller. Ab 1871 wurde auch der Gleitsitz aus Amerika übernommen. Bis dahin war es im Rennrudern üblich gewesen auf der, teilweise mit Butter oder Seife eingeriebenen, fixierten Sitzfläche hin- und herzurutschen, um den Schlag zu verlängern. Wenige Jahre später wurde der Rollsitz eingeführt. Damit wurde der Ruderschlag zu einer Ganzkörperbewegung und eine neue Technik entstand.

Durch englische Kaufmänner und junge Leute, die das Rudern in England kennengelernt hatten, kam der neue Sport nach Deutschland. Aufgrund reger Handelsbeziehungen mit Hamburg gründeten dort 1830 junge Engländer einen “English Rowing Club”.

1836 folgten die Deutschen ihrem Beispiel und gründeten den ersten deutschen Ruderclub, den “Hamburger Ruderclub”. Bereits im selben Jahr kam es auf der Außenalster zum ersten Kräftemessen der beiden Clubs, welches die Engländer mit großem Vorsprung gewannen. Nachdem der Rudersport – ähnlich wie in England – auch in Hamburg zuerst auf die oberen Gesellschaftsschichten beschränkt war, drang er durch die Gründung zahlreicher Bootsmannschaften und auch kleinerer Vereine, die Wett- und Vergnügungsfahrten austrugen, allmählich auch in die Mittelschichten vor. Mit der Gründung des Allgemeinen “Alster-Clubs” am 12. Oktober 1844 wurde ein weiterer wichtiger Schritt getan, um den Rennsport zu fördern und die breite Öffentlichkeit für die neue Sportart zu gewinnen. Von Hamburg aus verbreitete sich der Rudersport zunächst nur langsam. In Kiel kam es 1862 zur Gründung des ,,Ersten Kieler Ruder-Clubs”, Frankfurt am Main folgte 1865, Berlin erst 1876. Der erste Auslandsstart deutscher Ruderer kam 1876 anläßlich der Weltausstellung in Paris zustande. 1883 gründeten im Gürzenich zu Köln die Vertreter von inzwischen 34 Vereinen den ,,Deutschen Ruderverband” (DRV) und gaben damit dem deutschen Rudersport seine noch heute gültige Struktur. Der DRV ist übrigens der älteste deutsche Sportverband, weitere Verbandsgründungen folgten erst 1884 mit dem Bund Deutscher Radfahrer, 1885 mit dem Deutschen Keglerbund.

Im 20.Jahrhundert wurden englische Profis, in ihrem Heimatland nur selten als Trainer beschäftigt, die beliebtesten Trainer Deutschlands. Sie trainierten, mit Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg, bis in die Zeit des Nationalsozialismus die wichtigsten Vereine Deutschlands.

1842 kam es auch in den USA zur Organisation des ersten “boating club” im College von New Haven. Bis dahin hat es an den amerikanischen Universitäten überhaupt keine sportlichen Aktivitäten gegeben.

“The total absence of athletics from the American college-scene in 1840 is almost
impossible for a modern generation to appreciate.”(Mendenhall)

Studenten, die ihren Abschluss in England machten, waren überrascht “that every canab takeshis exercise” (Mendenhall)

1955 kam es auch in Frankreich zur Gründung des ersten Ruderclubs, dem Rowing Club de Paris.

Quelle: Diplomarbeit Heidemarie Haberl (“Sportliche Identität und Motivation im österreichischen Rennrudersport”)

Die Entwicklung des Ruderns in Österreich

Victor Silberer 1873 im Rennboot
mit festem Sitz

Schon um 1850 wurde in den Wiener Donauauen gerudert. Auch hier waren es junge Leute, die das Rudern in England kennen gelernt hatten. Man kann das Kaiserwasser als die Wiege des österreichischen Rudersports bezeichnen. Dieser Nebenarm zweigte bei Nußdorf ab, verästelte sich und vereinigte sich mit dem Hauptstrom in der Nähe der heutigen Reichsbrücke. Neben den zahlreichen “Sonntagsruderern”, schlossen sich bald einige Herren zu einem gemeinsamen Rudern in schnelleren, selbstgebauten Sportbooten zusammen. Sie gründeten 1863 den Ersten Wiener Ruderclub “LIA”, benannt nach Cornelia, der Frau Alfred von Kendlers, einem der Gründer und ersten Präsident der LIA. Aufgrund des Erlasses des Schmerling’schen Februarpatents 1862 war es wieder möglich, Vereine zu gründen.

Während die ersten Jahre mehr der Beschaffung von Booten, des Aufbaus von Bootsunterkünften und des Erlernens der Rudertechnik dienten, zeigte es sich sehr bald, dass man neben den gemütlichen Ausfahrten, auf der damals in vielen Armen dahin fließenden Donau, auch Rennen durchführen wollte. Mit dem Ruf “Bahn frei” mussten die Sonntagsruderer die Wasserfläche für die sportlich ambitionierten Ruderer freigeben. Bereits 1868 wurde die erste Regatta auf dem Kaiserwasser durchgeführt.

Mitte der Siebziger Jahre siedelten sich an anderen Orten in Österreich die ersten Rudervereine – 1875 Ister-Linz, 1876 Steiner-Ruderklub, 1878 Nautilus Klagenfurt – an. Die Vereine waren bemüht, sich auch an anderen Orten mit sportbegeisterten Ruderern in Wettkämpfen zu messen. So startete 1873 Donauhort erstmals in Budapest. In Gmunden und Kammer wurden 1876 erstmals Regatten ausgetragen, die vom jeweiligen Regatta-Comitee veranstaltet wurden. Die damaligen Regatta-Comitees waren jeweils die Veranstalter einer Regatta – eine Kontinuität war dabei kaum gegeben. Die Vereine mußten erkennen, daß es bei jeder Regatta unterschiedliche Ausschreibungen oder keine Bestimmungen über die Boote gab.

Alfred Graf Harrach erster
Präsident des WRV

Aus dieser Sicht heraus, gründeten die vier Wiener Rudervereine LIA, Donauhort, Pirat und der Turnerruderklub 1874 das Wiener Regatta-Comitee, aus dem 1882 der Wiener Regatta-Verein – heute zugleich Landesverband von Wien – hervorging. Fünf Jahre danach 1887 kam es zur Gründung des Kärntner Regatta-Vereines. Durch diese regionalen Ruderverbände war es möglich, entsprechende Rennen und Regatten auszuschreiben und dafür Regeln zu schaffen, die auch für längere Zeit Gültigkeit hatten.

Als 1882 in Frankfurt ein Kongreß der deutschen Rudervereine stattfand, um eine einheitliche Fahrordnung zu schaffen, waren die österreichischen Rudervereine durch LIA und Donauhort vertreten.

Leider arbeitete der Rudertag einen diskriminierenden Begriff des Amateurs aus, der zum Beschluß erhoben wurde. Danach sollten Arbeiter aus den Rudervereinen ausgeschlossen werden. Am 14. Mai 1882 wurde am deutschen Rudertag in Frankfurt der Satzungspunkt 8 wie folgt formuliert: “Als Amateur-Ruderer ist derjenige zu betrachten, der das Rudern nicht als Erwerb betreibt noch als Arbeiter seinen Lebensunterhalt durch seiner Hände Arbeit verdient.”

Aufgrund gegensätzlicher Auffassungen bezüglich der Amateurfrage ergaben sich 1883 bei der Gründung des Deutschen Ruderverbandes (DRV) so starke Meinungsverschiedenheiten, daß der Wiener Regattaverein in einer außerordentlichen Vollversammlung am 22. April 1884 beschloß, dem DRV nicht beizutreten bzw. wieder auszutreten, was 1885 geschah.

Die Notwendigkeit, über die regionalen Regattaverbände hinaus einen Ruderverband im Rahmen der Österr.-Ungarischen Monarchie zu gründen, bekam damit wieder einen neuen Auftrieb. Bis zur Verwirklichung dauerte es allerdings noch sechs Jahre.

In das Jahr 1891 fällt die Gründung des österreichischen Ruderverbandes. Im Jänner richtete der Wiener Ruderverein Donauhort an alle österreichischen und ungarischen Rudervereine ein Rundschreiben, in dem er die Vereinigung der Rudervereine des Habsburgerischen-Doppelreiches zu einem geschlossenen Ganzen vorschlug. Damit sollte es zu einer Zusammenfassung und einheitlichen Wahrnehmung der sportlichen Bestrebungen kommen. Es war der Vorschlag zur Gründung eines österreichisch-ungarischen Ruderverbandes.

Der damalige Vorstand des Donauhorts war der Anreger. Von den österreichischen Vereinen sandte der Erste Wiener Ruderklub LIA zuerst sein Zustimmungsschreiben. Aus Triest und Ungarn kamen ebenfalls Zusagen. Am 8. März 1891 langten 20 Zusagen von österreichisch-ungarischen Ruderklubs, betreffend der Beschickung eines österreichisch-ungarischen Rudertages, respektive Gründung eines österreichisch-ungarischen Ruderverbandes ein. Der Triester Regattaverein und der Budapester Ruderverein Neptun lehnten den Beitritt ab.

Die Folge dieser Absage war die Einberufung eines österreichischen Rudertages für den 20. Juni 1891. An diesem Tag versammelten sich die Vertreter der österreichischen Rudervereine und gründeten den “Österreichischen Ruderverband”. Folgende Vereine waren vertreten: RV Donauhort, Erster WRC LIA, RC Pirat, RV Union, RV Austria, Wiener Regattaverein, Brünner Ruderklub, Bruna, Slavia Prag, RV Nautilus und RV Albatros, Kärntner Regattaverein, RV Villach, Steiner Ruderklub und Linzer RV Ister. Bei den Verhandlungen herrschte in allen grundsätzlichen Fragen volle Übereinstimmung. Am 28. Juni erschienen die Grundgesetze des Österreichischen Ruderverbandes in der Allgemeinen Sportzeitung, in denen der Zweck des ÖRV wie folgt definiert wurde: Förderung des Rudersportes und seiner einheitlichen Entwicklung, Anregung zur Vereinsbildung, Abhaltung von Regatten und Rudertagen, Stiftung und Übernahme von Preisen sowie die Herausgabe von Wettfahrbestimmungen.

Die Gründung der FISA (Fédération Internationale des Societes d’Aviron) fand am 25. Juni 1892 in Turin statt. Gründungsmitglieder waren Belgien, Italien, Frankreich, die Schweiz und Österreich. Österreich war durch seinen Triester Ruderclub vertreten.

1893, zwei Jahre nach der Gründung des österreichischen Ruderverbandes traten die tschechischen Vereine aus dem Verband aus und vereinigten sich zu einem “Tschechischen Ruderverband”. Der Austritt war aus politischen Gründen erfolgt, obwohl die tschechischen Ruderer bei der Gründung des Österreichischen Verbandes die größte Begeisterung gezeigt hatten.

Ruderfest auf der Alten Donau 1908

Am Rudertag im Jahre 1903 bestimmte der Ausschuß des Österreichischen Ruderverbandes, mit dem Deutschen Ruderverband einen Gegenseitigkeitsvertrag abzuschließen. Der Vertrag sollte auf denselben Bedingungen fußen, wie der Gegenseitigkeitsvertrag zwischen dem Deutschen Ruderverband, dem Französischen und Belgischen Ruderverband. Danach durften nur Vereine die dem Österreichischen bzw. dem Deutschen Ruderverband angehörten auf den beiderseitigen Verbandsregatten antreten. Am 31. Jänner 1904 wurde der Vertrag abgeschlossen.

1900 tauchte der Rudersport erstmalig im olympischen Programm auf. 1912 startete Dr. Alfred Heinrich, ein Ruderer des RC Pirat als erster Österreicher bei den Olympischen Spielen. Dort wurde er wegen einer Kollision disqualifiziert.

Der Beginn des Ersten Weltkriegs unterbrach die Rudertätigkeit der Vereine. 1915-1919 fanden keine Regatten statt.

“Doch da krachten die Schüsse von Sarajewo, der Weltkrieg begann. Bereits am 1.August 1914 mußten wir unser Bootshaus dem Militär zur Verfügung stellen. Über vier Jahre lang war es uns entzogen. Dankenswerterweise fanden wir in dieser Zeit Unterkunft beim Wiener Ruderclub Donau. 16 Mitglieder mußten einrücken, einen Sportbetrieb gab es praktisch nicht mehr. Als wir 1918 das Clubhaus wieder übernehmen konnten, war es in desolatem Zustand. Eine zugesagte Entschädigung…haben wir nie erhalten. Ein großer Teil der Mitglieder war verlorengegangen, nur mehr dreißig hielten treu zur blauen Flagge.” (Festschrift: 130 Jahre RC LIA)

Nach dem Ende des Krieges war in vielen Vereinen Einschränkung geboten, bald jedoch begann der Rudersport wieder zu florieren. 1919 durften beim Ruderverein Donaubund die ersten Frauen rudern, 1920 wurden die ersten Österreichischen Meisterschaftsrennen ausgetragen. Im selben Jahr wurde jedoch der Österreichische Ruderverband aus der FISA ausgeschlossen und verlor damit die Berechtigung an den von der FISA ausgeschriebenen Veranstaltungen teilzunehmen. Österreich und Deutschland, als am Weltkrieg schuldige Länder, wurden auch nicht zu den Olympischen Spielen in Amsterdam 1920 eingeladen. In der Zwischenkriegszeit war Österreich erst wieder ab 1934 Mitglied der FISA.

Die Popularität des Rudersports nahm trotz allem stetig zu- neue Vereine wurden gegründet, Mitgliederzahlen stiegen, ausländische Trainer wurden eingesetzt.

Dann kam es zum Beginn des Zweiten Weltkriegs und zum Anschluß Österreichs an Deutschland. “Der Sport erhoffte sich von diesem Ereignis viel Nutzen. Es wurde wohl mehr Geld für den Sport zur Verfügung gestellt, aber der staatliche Einfluß war in allen Vereinen spürbar”.

“Beeinflußt durch die Politisierung der Frauensportideologie, konnte das Frauenrudern während des Nationalsozialismus viele Erfolge verbuchen. Die Mitgliedszahlen stiegen rapide
an, ebenso nahm die Regattabeteiligung zu. Hiervon profitierte vor allem das Rennrudern, das sich endlich durchsetzen konnte und zunehmend das Stilrudern verdrängte.” (Becker)

Durch die Eingliederung in den deutschen Ruderverband schied Österreich im Jahre 1938 wieder aus der FISA aus. 1947 trat der ÖRV wieder dem Internationalen Verband bei und wurde diesmal zum dritten Mal aufgenommen.

1955 wurden die ersten Österreichischen Meisterschaften im Frauenrudern ausgetragen, für Männer gab es sie schon seit 1921. 1958 folgten die ersten Österreichischen Junioren- und Juniorinnenmeisterschaften. 1962 kam es zu den ersten Weltmeisterschaften für Männer, die Frauen folgten 1974. Erst 1976 war das Frauenrudern zum ersten Mal im Olympischen Programm. Die Streckenlänge für Frauen war ursprünglich 1000 m. Seit 1985 gelten dieselben Bedingungen wie für Männer. Beim außerordentlichen FISA-Kongress 1965 in Wien wurde die Durchführung von Junior-FISA – Meisterschaften beschlossen. Ursprünglich war die Streckenlänge für die Junioren mit 1500 m festgelegt. Beim FISA-Kongress 1988 wurde die Streckenlänge für Junioren auf 2000 m erweitert. Im Jahr 1970 wurden die ersten offiziellen Junioren-Weltmeisterschaften in Ioannina (Griechenland) ausgetragen.

Der Nationscup (U23 – WM) nahm seinen Anfang in den 70-iger Jahren als “Match des Seniors”, einer Veranstaltung, die zum Ziel hatte, langfristig eine hochkarätige Regatta für den Nachwuchs der unter 23 Jährigen aufzubauen. Bei einer Tagung in Nottingham wurde 1975 beschlossen, den bestehenden Sechsländerkampf als Match des Seniors zu erweitern.

Waren bei den ersten Veranstaltungen nur 4 Nationen, konnte man im Jahr 2000 in Kopenhagen bereits 34 Nationen aus allen Kontinenten bei dieser Regatta begrüßen.

Quelle: Diplomarbeit Heidemarie Haberl (“Sportliche Identität und Motivation im österreichischen Rennrudersport”)

 

 

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