Die durch die Corona-Pandemie erzwungene Pause, konnte der Österreichische Ruderverband für sich nutzen, er verpflichtete nicht nur einen neuen Nationaltrainer, sondern auch einen neuen Bootstrainer und stellt sich mit seinen Athleten neu auf. Nicht mehr als aktiver Athlet wird Bernhard Sieber auftreten, er beendet seine aktive Karriere und startet in eine neue berufliche Zukunft.  

Die Corona-Pandemie hat zur Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio geführt, diesen Umstand hat der Vorstand des ÖRV als Chance gesehen, um strukturelle Änderungen vorzunehmen und die Zeit für sich und seine Athleten optimal zu nützen. Wichtiger Baustein dieser strukturellen Änderung ist der neue Nationaltrainer Robert Sens, der Anfang Mai seine Tätigkeit für den ÖRV aufgenommen hat. 

ÖRV-Präsident Horst Nussbaumer: „Kurz nach Verschiebung der olympischen Spiele ist am internationalen Trainermarkt ein window of opportunity aufgegangen, das wir sehr rasch genutzt haben, um unseren Athletinnen und Athleten neue Trainer an die Hand zu geben, die ihnen helfen werden, ihre ambitionierten Ziele zu erreichen. Solche Chancen werden einem nicht jeden Tag geboten und durch unser rasches Handeln sind wir jetzt in der glücklichen Situation, unsere olympische Kampagne mit zwei international renommierten Toptrainern zu vollenden.“

Neues Trainergespann um Robert Sens

Mit viel Elan hat Robert Sens, selbst dreimaliger Weltmeister, die Arbeit in Österreich aufgenommen. „Die ersten Tage waren intensiv. Ich habe mit vielen motivierten Athleten und Trainern gesprochen. Aber die erste Zeit hat mich auch bestärkt und motiviert. Es wurden in der Vergangenheit im ÖRV bereits tolle Strukturen aufgebaut und ich freue mich auf die gemeinsame Arbeit mit den Trainerkollegen.“

Einer dieser neuen Trainer ist auch im ÖRV neu. Der Neuseeländer David Thompson soll das Trainerteam im ÖRV mit Mitte Juni verstärken, zunächst mit einer Probezeit bis August. 

Mit Thompson hat der ÖRV einen weiteren erfolgreichen Trainer für sich gewinnen können. Der 52-Jährige war zuletzt in Kanada tätig und konnte dort drei Damen-Boote für die Olympischen Spiele 2021 qualifizieren. Vor seiner Tätigkeit in Kanada war der Neuseeländer in seiner Heimat tätig. Zahlreiche Olympia- und WM-Medaillen gehen auf sein Konto als Erfolgstrainer. „Dave Thompson kommt aus jenem Land, das im Sommersport in den letzten Jahren der Maßstab für Erfolg gewesen ist. Wir alle wollen von Dave viel lernen, um nachhaltig erfolgreich zu sein“, sagt Nussbaumer.

ÖRV soll Medaillen gewinnen.

Als Ziel definiert Sens olympische Medaillen, erfolgreiche Welt- und Europameisterschaften in allen Altersklassen, sowie eine funktionierende Vereinsarbeit mit Zukunft und die Stärkung der Sportart Rudern in der Gesellschaft. „Aber Achtung: Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Ein langer Atem und viel Kraft wird von Nöten sein“, so Sens

Als mittelfristiges Ziel will Sens mit dem ÖRV weitere Boote für die Olympischen Spiele 2021 qualifizieren. Das Projekt Tokio 2021 läuft auch schon auf Hochtouren: „Wir begreifen die (richtige) Verschiebung als Chance und werden die richtigen methodischen Schlüsse für jeden einzelnen Athleten ziehen. Individuelle Leistungssteigerungen und qualitativ hochwertiges Mannschaftstraining werden wir in einer höheren Anzahl von Trainingslagertagen anstreben“, sagt Robert Sens. 

Unmittelbar bevor steht das erste Trainingslager mit dem neuen Trainerstab in Österreich. Von 13. Juni bis 4. Juli werden 24 ÖRV-Athleten am Weissensee in Kärnten trainieren. Mit dabei ist diesmal auch Teamarzt Dr. Richard Malousek, um eine optimale gesundheitliche Betreuung zu garantieren. Auf die Einhaltung der Hygienemaßnahmen wird oberste Priorität gelegt. 

Bernhard Sieber beendet aktive Karriere

Nicht mehr beim Trainingslager teilnehmen wird der Leichtgewichts-Ruderer Bernhard Sieber. Er beendet mit den Worten „Herz, Kopf, Jetzt!“ seine aktive Karriere. Der 29-Jährige wird zukünftig in der Kommunikations- und Organisationsberatung starten. Dem Rudersport wird er in einer neuen Rolle erhalten bleiben. 

Seinen Bruder und seine sportliche Karriere beschreibt Paul Sieber mit den knappen Worten „begeistert, leidenschaftlich, motiviert und fordernd zugleich – ich bin unendlich stolz auf all das, was wir sportlich und zwischenmenschlich erreicht haben“. 

ÖRV-Präsident Horst Nussbaumer: „Es tut mir wirklich sehr leid, dass sich Bernhard entschlossen hat, seine aktive Karriere zu beenden. Seine sportlichen Erfolge waren wichtige Meilensteine auch meiner Karriere als Präsident. Vor allem die erfolgreiche Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio war ein wesentlicher Schritt für uns alle. Bernhard hat durch sein Talent, Verständnis und den hohen Grad an Selbstführung in den letzten zehn Jahren maßgeblich zur so erfolgreichen Entwicklung des Rudersports beigetragen. Ich wünsche ihm alles Gute für seine Zukunft!“

Noch im November 2019 starteten Bernhard und Paul Sieber den gemeinsamen Anlauf für die Olympischen Spiele Tokio 2020. Gemeinsam mit ihrem ÖRV-Trainer Fabio Becker haben sie einen neuen, integrierten Trainings- und Organisationsansatz entwickelt und noch Anfang März die interne Ausscheidung um die Olympia-Qualifikation in Varese – die im Mai 2020 auf Plan gestanden wäre – für sich entscheiden können.

Die Corona-bedingte Verschiebung der Olympischen Spiele auf 2021 änderte vieles. Bernhard Sieber fasste den Entschluss seine aktive Karriere zu beenden: Die Rolle des Spitzensportlers soll einer neuen in der Kommunikations- und Organisationsberatung weichen. 

Der neue Headcoach des Österreichischen Ruderverbands, Robert Sens, gratuliert zum mutigen Schritt: „Frei nach dem Motto ‚Gehen, wenn es am Schönsten ist’ hört Bernhard nach eigener Angabe auf Herz und Kopf. So macht er auch bewusst Platz für einen jungen Athleten, der nun an seine Stelle treten kann.“ Neben seiner neuen Karriere wird sich Sieber auch in Zukunft für die Entwicklung des österreichischen Rudersports einsetzen: „Meine Leidenschaft zum Rudern ist größer als je zuvor, sie wurde gerade die letzten Wochen zu einer tiefen Dankbarkeit. Jetzt ändert sich die Form, in der ich diese Begeisterung zum Ausdruck bringe. Für mich beginnt die Zeit des Zurückgebens.“ 

Bernhard Sieber war seit 2012 Leichtgewichts-Ruderer und Heeressportler. Seine wichtigsten Erfolge im Leichtgewichts-Doppelzweier: U23-Weltmeister 2012, Sieger der Universiade 2013 und Olympiateilnehmer 2016 in Rio de Janeiro (jeweils mit Bruder Paul Sieber, 27). 

Leichtgewichts-Doppelzweier in neuer Konstellation

Mit dem Rücktritt von Bernhard Sieber aus dem Leichtgewichts-Doppelzweier wird sich für Bruder Paul der Partner im Boot ändern. Für die Europameisterschaft 2020 wird um Paul Sieber ein Leichtgewichts-Doppelzweier aufgebaut. „Der naheliegenste Doppelpartner ist WM-Teilnehmer Julian Schöberl. Dies ist unserer Startvariante, von der wir uns viel erhoffen. Wir sind optimistisch, dass Paul und Julian einen schnellen Dopppelzweier bilden werden. Abhängig von den Ergebnissen bei der Europameisterschaft wird es jedoch für die Saison 2021 eine weitere Ausscheidung geben“, sagt Nationaltrainer Robert Sens. 

Termine 2020 – (Stand 10. Juni 2020)

5.-6. September – U23-Europameisterschaft (Duisburg / Deutschland)

26.-27. September – Junioren-Europameisterschaft (Belgrad / Serbien)

9.-11. Oktober – Europameisterschaft (Poznan / Polen)

Links:

www.worldrowing.com Offizielle Website der FISA

www.bernhardsieber.at Website Bernhard Sieber