Para-Rowing

PROGRAMM 2018

Der Österreichische Ruderverband hat in den letzten Jahren die Voraussetzungen geschaffen, um Menschen mit Behinderungen die Ausübung des Rudersports möglich zu machen. Die Teilnahme österreichischer Mannschaften an den Paralympics 2016, an den Weltmeisterschaften 2016 und 2017 sowie an nationalen und internationalen Regatten beweisen den Erfolg, der der Begeisterung und den Anstrengungen von Athleten, Trainern und Betreuern zu verdanken ist. Nun stehen die Weltmeisterschaft 2019 in Linz und die Paralympics 2020 in Tokyo bevor. Dafür müssen zusätzliche Athleten gefunden und ausgebildet werden. Zugleich ist es notwendig, das Angebot für Para-Ruderer im Breitensport zu erweitern. Das Jahr 2018 stellt daher besondere Herausforderungen an den ÖRV, die Landesverbände und die Vereine. Ohne Unterstützung durch öffentliche Fördergeber, durch Sponsoren und durch private Spender wird es nicht möglich sein, Para-Rowing nachhaltig weiter zu entwickeln. Dieses Programm 2018 zeigt auf, was mit den vorhandenen Ressourcen erreicht werden kann, und welche Entwicklungen mit zusätzlichem Einsatz möglich sind.

1. Leistungssport
Das Jahr 2017 zeigte die Grenzen auf, welche die derzeitige personelle, finanzielle und organisatorische Ausstattung des ÖRV der Entwicklung des Bereichs Para-Rowing setzen. Es gelang nicht, geplante Trainingslager auszurichten, und die Förderung durch den Bund reichte gerade aus, um das laufende Training der vorhandenen Athleten zu bezahlen. Selbst die Teilnahme an der Weltmeisterschaft musste der ÖRV aus eigenen Reserven bestreiten. Zusätzliche Trainerkapazitäten wurden von den Athleten selbst und durch Spenden finanziert. Neue Athleten zu finden und auszubilden, ist daher derzeit nur sehr eingeschränkt möglich.
1.1. Athleten
Die Einsatzbereitschaft der Athleten ändert sich entsprechend den Auswirkungen, welche ihre jeweilige Behinderung auf ihre Gesundheit und ihre Trainingsmöglichkeiten haben. Daher ist es wichtig, nicht nur neue Athleten zu rekrutieren, sondern auch die bereits rudernden Athleten zu betreuen, und zwar gerade auch dann, wenn sie nicht voll einsetzbar sind. Die Ziele des ÖRV im Jahr 2018 sind:
• Für die Rekrutierung neuer Athleten sollen verstärkt soziale Medien eingesetzt werden; zugleich soll der Kontakt zu OeBSV und Multiplikatoren (Ärzte, Therapeuten) intensiviert werden.
• Die Ausbildung von Anfängern soll in www.rudern.at/Ruderwiki/ eingebaut werden.
• Die Leistung der Kadermitglieder soll gesteigert werden; dafür sollen Leistungsziele vereinbart werden, die für die Entsendung zu internationalen Wettbewerben entscheidend sind.
Der Bereichsleiter Para-Rowing kann für die Kaderbildung in aller Para-Rowing Klassen Leistungskriterien und Auswahlprozesse in Abstimmung mit dem Bundestrainer festlegen.
Für jeden dieser Schwerpunkte – Rekrutierung, Inklusion und Leistungssteigerung– sind Angebote der Vereine notwendig. Der ÖRV wird für die notwendige Entwicklung nur den organisatorischen Rahmen und inhaltliche Leitlinien zur Verfügung stellen können.
1.2. Trainer
Derzeit werden die Trainer der Para-Rowing Mannschaft vom ÖRV bezahlt. Ab 2018 wird es notwendig sein, auch auf Ebene der Vereine und Landesverbände Trainerkapazitäten zur Verfügung zu stellen. Dies bringt neue Aufgaben in der Organisation und neue Herausforderung in der Kommunikation.
• Strukturen
o Der Referent für Para-Rowing, Florian Kremslehner, wird durch Eva Grohmann als seine Stellvertreterin unterstützt.
o Der neue Bereichsleiter Para-Rowing Alex Farkas wird die organisatorischen Aufgaben von Christoph Affenzeller und Michael Hager übernehmen, die aber weiterhin als Einspringer für Trainings zur Verfügung stehen.
o Die Stützpunkttrainer und die Landestrainer sollen es als ihre Aufgabe sehen, die Para-Rowing Trainer zu unterstützen (Zuteilung Trainingszeiten, Benützung Motorboote, Unterstützung beim Training usw).
o In die Ausbildung der Lehrwarte und Trainer sollte verpflichtend ein Modul Para-Rowing eingebaut werden (Athleten und Betreuer können und sollen ein Entwicklung des Moduls und in die Ausbildung eingebunden werden).
• Abläufe
o Mitteilungen des ÖRV an Trainer und Athleten sollen nicht nur mündlich, sondern über email oder facebook erfolgen, sodass ein gleichmäßiger Informationsfluss an alle Beteiligten gewährleistet ist.
o Rückmeldungen von Athleten an Funktionäre des ÖRV oder der Landesverbände sollen immer an die Trainer und wenn notwendig, an den Bereichsleiter oder den Referenten für Para-Rowing weitergeleitet werden.
o Die Athleten sollen verstärkt in die Kommunikation nach außen eingebunden werden.
Die Para-Rowing-Trainer sollen in die Trainer-Struktur des ÖRV eingegliedert werden. Verbandstrainer, Landestrainer und Stützpunkttrainer sollen sich gleichermaßen für das Training von Para-Rowing Mannschaften verantwortlich fühlen wie für jede andere Mannschaft.
In der Trainerausbildung (und in der Ausbildung von Lehrwarten) soll ein Para-Rowing-Modul eingebaut werden.
Bei der Trainingsplanung sollen Para-Ruderer, wo immer dies möglich ist, einbezogen werden. So können etwa PR3-Athleten leicht in Junioren- oder Masters-Mannschaften integriert werden. Für PR1 und PR2 Athleten ist es hilfreich, wenn eine andere trainierende Mannschaft beim Tragen des Bootes und beim Einsteigen hilft. Diese und andere Anregungen sollten bei einer Trainertagung besprochen und danach umgesetzt werden.
1.3. Ziele
Ungeachtet der zuvor erwähnten Einschränkungen verfolgt der ÖRV das Ziel, zumindest ein Boot für die Teilnahme an den Paralympics 2020 zu qualifizieren. In den Klassen PR1 und PR2 soll dies durch gezielte Auswahl und Förderung einzelner Athleten geschehen, in der Klasse PR3 durch den Aufbau von Mannschaften, die im 2x oder 2- trainieren, und aus denen letztlich ein PR3 4+ gebildet werden soll. Spätestens bis zu den Paralympics 2024 soll der ÖRV über je eine Mannschaft PR3 und PR2 verfügen, die Chancen auf eine Qualifikation hat.
Diese Ziele sind nur dann erreichbar, wenn der ÖRV die vorhandenen und erwarteten Mittel dafür verwendet, das Training der Kader-Mannschaften und die Entsendung zu Weltmeisterschaften zu finanzieren.
2. Breitensport
2.1. Inklusion im Rudersport
Der Rudersport eignet sich besonders für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen auf den folgenden Ebenen:
• Im Boot können Sportler mit und ohne Behinderung gemeinsam rudern; der ÖRV ist der einzige Sportverband, der Inklusions-Mannschaften bei Österreichischen Meisterschaften zulässt.
• Bei Breitensport-Veranstaltungen wird zwischen Sportlern mit und ohne Behinderung nicht unterschieden; bei Sternfahrten zählt jeder Kilometer gleich viel.
• Im Verein bilden Ruderer mit und ohne Behinderungen keine getrennten Gruppen, sondern nehmen an Wanderfahrten und dem Vereinsleben vollständig und gleichwertig teil.
All dies geschieht allerdings nicht von selbst, sondern braucht gezielte Unterstützung, vor allem in den folgenden Bereichen:
2.2. Ausbildung
Die Ausbildung von neuen Ruderern soll in den Vereinen und gemeinsam mit allen Anfängern erfolgen. Damit Vereine und ihre Mitglieder diese Herausforderungen annehmen, gibt der ÖRV Hilfestellung durch Informationsveranstaltungen, Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch und Unterstützung bei Förderanträgen an die Dachverbände. Verantwortlich für die Koordination dieser Aktivitäten ist der Para-Rowing Referent. Vereinen, die Athleten ausbilden und trainieren, kann der ÖRV Zuschüsse zu Trainerkosten gewähren (soweit im Rahmen des Para-Rowing Budgets oder der Vorgaben der Fördergeber möglich).
2.3. Breitensportveranstaltungen
Die Veranstalter sollten aufgefordert werden, bei Ausschreibungen Ruderer mit Behinderungen zu berücksichtigen. Dies kann in unterschiedlicher Weise geschehen: Durch Sonderwertungen für PR1, 2 und 3, durch die Teilnahme von Inklusions-Mannschaften, oder auch einfach durch die Erwähnung, in welcher Mannschaft Para Ruderer teilgenommen haben. Sinnvoll wäre auch, Teilnahmebeschränkungen (zB keine Leistungssportler bei der Stromstaffel) nicht auf Para Ruderer anzuwenden.
3. Rekrutierung
Die Rekrutierung von neuen Athleten erfolgt für PR1/2 und PR3 unterschiedlich: Über den ÖBSV und dessen Mitgliedsvereine sowie über Therapieeinrichtungen und Beratungsstellen für Querschnittgelähmte werden vor allem künftige Athleten PR1/PR3 möglichst direkt angesprochen. Die Ansprache von PR3 Athleten erfordert hingegen eine gezielte Information von Ärzten, Therapeuten und anderen Multiplikatoren, welche Rudern als Sport für Menschen mit vergleichsweise geringer Behinderung empfehlen.
Jeder Athlet, Trainer oder Betreuer, der einen Ruderkandidaten anspricht oder von ihm angesprochen wird, soll nicht nur über den Rudersport informieren, sondern auch feststellen, welche Interessen und Ziele ein potentieller Athlet verfolgt. Über Kontakte zu Interessenten sollen der Referent und der Bereichsleiter für Para-Rowing sowie der Referent des Landesverbandes verständigt werden.
4. Kommunikation
Zusammenarbeit ist im Bereich Para-Rowing besonders wichtig – zwischen Athleten, Trainern und Funktionären ebenso wie zwischen Vereinen, Landesverbänden und nationalen Sportverbänden. Weil der Kreis der beteiligten noch nicht sehr groß ist, sollen möglichst wenige Medien für möglichst viele Kommunikationsebenen verwendet werden.
• Die Homepage des ÖRV soll so eingerichtet werden, dass der Referent für Para-Rowing und die Bereichsleiter selbständig Inhalte hochladen können.
• Das Regelwerk des ÖRV soll auf www.rudern.at für Pararower erläutert werden.
• Die Facebook Seite „Para Rowing Austria“ soll verstärkt sowohl für die interne als auch die externe Kommunikation genützt werden.

Der Referent Para-Rowing ist verantwortlich dafür, die Struktur für die Kommunikation aufzubauen; für die Inhalte sind alle Beteiligten zuständig.
5. Organisation
5.1. Funktionen
Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass die Landesverbände die Verantwortung für Organisation und Finanzierung von Para-Rowing gerne auf den ÖRV abschieben, und dass es nur wenigen Vereinen gelingt, Para-Rowing als selbstverständlichen Teil des Sportbetriebs und Vereinslebens zu etablieren. Die folgende Kombination organisatorischer Maßnahmen sollte die Lage verbessern:
o Die Bereichsleitung Para-Rowing zeigt in Zusammenarbeit mit dem ÖRV in einem Leitfaden Para-Rowing den Landesverbänden und Vereinen auf, mit welchen Mitteln welche Ziele im Bereich Para-Rowing erreicht werden können und sollen.
o Die Landesverbände bestellen auf Vorstandsebene einen Beauftragten für Para-Rowing (verantwortlich für Koordination Vereine/Verband, Betreuung von Anfängern, Organisation Training).
o Der ÖRV fördert Para-Rowing als Vereinssport durch Sach- und Geldleistungen und die Koordination von Förderungen.
Diese Verlagerung der Verantwortung auf die Ebene der Landesverbände und Vereine wird umso wichtiger machen, dass der ÖRV seiner Aufgabe, Para-Rowing in Österreich zu koordinieren, nachkommt. Dies gilt insbesondere für Kontakte zu den Förderstellen des Bundes sowie zu den im Behindertensport aktiven Organisationen (OePC, ÖBSV).

6. Material
Derzeit stehen in Österreich folgende Boote zur Verfügung:

Bootstyp Dollenabstand/Standort Ruderlänge/Eigentümer
PR1 1x Wintech PIR ÖRV
PR1 1x Filippi RZ Wien ÖRV
PR1 1x Swift NAU NAU
PR1 1x Wintech MOV Walter Unternährer
PR2 2x Wintech LZ Linz
PR2 2x Swift DHO Malteser
PR3 4+ Filippi Linz ÖRV

Diese Boote reichen aus, um Anfänger in den Klassen PR1 und PR2 auszubilden. Anfänger PR3 können und sollen hingegen in bestehenden Vereinsbooten ausgebildet werden. Notwendig ist allerdings ein Zweier (Scull und Riemen kombiniert), der als Trainings- und Rennboot für PR3-Mannschaften (PR3Mix4+ und PR3Mix2x) zur Verfügung steht. Dieses Boot kann aus dem Budget des ÖRV nicht finanziert werden.
7. Finanzierung
Die Erfahrung anderer nationaler Ruderverbände und des ÖRV zeigt, dass eine nachhaltige Entwicklung von Para-Rowing nur möglich ist, wenn im Bereich eines nationalen Verbandes nicht nur der Leistungssport entwickelt wird. Aufgrund der Förderstrukturen in Österreich erhält der ÖRV allerdings ausschließlich Förderungen für Spitzensport. In Zukunft braucht es daher eine breitere Finanzierungsbasis mit folgenden Komponenten:
• Die Bundessportorganisation wird weiterhin für den Spitzensport verantwortlich sein. Das Ziel des ÖRV sollte sein, eine langfristige Förderung seines Para-Rowing Konzepts zu erreichen.
• Die Inklusion im Rudersport sollte von Bundesländern und Dachverbänden gefördert werden; hier kann der ÖRV Entwicklungskonzepte für Landesverbände und Vereine vorschlagen.
• Innerhalb der Dachverbände sollte der ÖRV darauf hinwirken, dass ein bestimmtes Förderbudget für Behindertensport zur Verfügung gestellt wird. Dies würde den Mitgliedsvereinen des ÖRV ermöglichen, Para-Rowing auf Vereinsebene gezielt zu unterstützen.
Insgesamt kommt dem ÖRV daher im Behindertensport in den nächsten Jahren eine wesentliche Aufgabe dabei zu, das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Inklusion von Menschen mit Behinderungen nicht alleine durch Leistungen im Spitzensport gefördert werden kann.
8. Saisonplan 2018
8.1. Wintertraining
Im Winter stehen Trainingsmöglichkeiten für Para Ruderer (und Anfänger) in Wien (Ruderbecken Stadthalle, Pirat, Donauhort), Linz (Ruderbecken Linz) und Klagenfurt (Nautilus) zur Verfügung.
8.2. Kaderbildung
Derzeit stehen in Österreich einerseits nicht ausreichend viele Athleten zur Verfügung, um eine sinnvolle Kaderbildung aufgrund von Ergebnissen bei Regatten zu ermöglichen. Andererseits ist die Zahl der Athleten zu groß, um alle Athleten zu allen internationalen Bewerben zu entsenden. Daher wird die Kaderbildung aufgrund einer Kombination von Trainingserfolg (Ergometer-Leistungen) und Ruderleistung (bei Wettbewerben und Trainings) erfolgen. Der Bereichsleiter Para-Rowing stimmt die Kaderbildung mit dem Sportdirektor und dem Bundestrainer ab.

8.3. Wettbewerbe

Datum Veranstaltung Anmerkung
21. Jänner Österreichische Indoor-Meisterschaft PR1, 2, 3
21.-22.April Int. Regatta Klagenfurt PR1, 2, 3 Inklusions-Mannschaften
12.-13.Mai Int. Para-Rowing Regatta Gavirate PR1, 2, 3 (2x u. 4+ mix)
22.-24. Juni Fisa World Cup 2 Linz PR1, 2, 3 (2x u. 4+ mix)
09.-15.Sept. Fisa WM Plovdiv PrR1 1x, PR2 mix2, PR3 mix2x, PR3 mix4+
21.-23.Sep. ÖM Villach PR1, 2, 3; Inklusionsboote

Anmerkungen zu den Regatten des ÖRV:
– Die Ragatten des ÖRV werden jeweils für PR1, PR2 und PR3 und Inklusionsmannschaften ausgeschrieben.
– Entsprechend den österreichischen Wettkampfbestimmungen können Männer und Frauen sowie Para-Rowing und Inklusions-Mannschaften in einem Bewerb starten, falls Rennen sonst nicht zustande kommen würden.
– In Mannschaftsbewerben (2x, 2-, 4+) können Riemen- und Scullboote unabhängig von der Geschlechterverteilung in einem Bewerb starten.